Donnerstag, 15. Oktober 2009

Afrikanische Fußballbegeisterung

Hallo zusammen,
zweieinhalb Wochen ist es erst her, dass ich hier in Kapstadt angekommen bin.
Trotzdem kommt es mir vor, als wäre es schon eine halbe Ewigkeit und ich habe bisher noch keinen einzigen Tag bereut. Der Eindruck mag daher kommen, dass ich in diesen ersten Tagen schon unglaublich viel gesehen und unternommen habe, wie man es sonst wohl in ganzen Urlauben nicht schafft.

Kapstadt rühmt sich zurecht, eine der schönsten Städte der Welt zu sein. Es sind weniger die Gebäude, die in europäischen Metropolen wie Paris, Berlin oder Rom sicherlich beeindruckender sind, als vielmehr die Lage und die Gegensätzlichkeit von Küste und Bergregion. Von überall aus der Stadt ist stets der mächtige Tafelberg, oft an der Spitze von Wolken umhüllt, zu sehen und bietet eine imposanten Anblick. Gleichzeitig blickt man auf die grünen Hügel des Signal Hill und die Felskuppel des Lion's Head. An der Waterfront herrscht eine beschwingte, mediterrane Atmosphäre, zu der sich in der Long Street afrikanische Einflüsse gesellen.


Die Stadt ist insgesamt ein Schmelztiegel der Kulturen. Einerseits die wohl europäischte Metropole des Kontinents, bezeichnet sie sich stolz als 'mother city' von Südafrika. Hier gingen die ersten Seefahrer aus der alten Welt an Land, um einen sicheren Hafen und Zwischenstation auf dem Seeweg nach Indien zu errichten. Die ersten Siedler waren Holländer von der Ostindischen Kompanie, nachdem 1488 Bartholomäus Diaz als erstes das Kap der guten Hoffnung umrundet hatte und wenig später Vasco da Gama den Seeweg nach Indien fand. Später besetzten die Briten den strategisch wichtigen Stützpunkt. Engländer, Holländer und Franzosen besiedelten daher das Land und vermischten sich mit der einheimischen schwarzen Bevölkerung. Heute, nach dem Ende der Apartheid, bezeichnet sich Südafrika als die 'rainbow nation'.

Für die frühen Seefahrer war der Halt in Kapstadt eine gefühlte Zäsur ihrer langen Reise. Auf dem Weg nach Indien letzter Halt in der ihnen bekannten Welt, bevor es nach der Umrundung des Kaps für Monate in den fremden und rätselhaften Orient ging. Auf der Rückfahrt bedeutete der Halt, dass Fahrt und die lange Trennung von Familie und Heimat nun bald vorbei sein würde.

Die Schönheit von Kapstadt speist sich auch aus den vielen Stränden, sowie der Natur in der unmittelbaren Umgebung. Am vorletzten Wochenende konnte ich bereits einen kleinen Ausflug nach Hout Bay machen, einem kleinen Fischerhafen. Zuvor ging es an einer traumhaft schönen Küstenstraße entlang, wobei leider aber der spektakulärste Teil, der Cheapman's Peak Drive gesperrt war. Von Hout Bay nahmen wir eine Fähre zu einer kleinen vorgelagerten Insel, oder besser Felsen, auf dem sich stets mehrere Tausend Robben vergnügen. Danach ging es weiter durch die Weinbergregion Constantia, natürlich nicht ohne ein Weingut angesteuert zu haben, zum Surferstrand Muizenberg. Da auf der anderen Seite der Kaphalbinsel gelegen, wo im Gegensatz zu Kapstadt eine warme Strömung von Norden her verläuft, ist das Wasser dort ca. 5 Grad wärmer als bei mir, wo die Strömung kaltes Wasser aus der Polarregion führt und an der westafrikanischen Küste nach Norden fließt. Nach ein paar Stunden am Strand rundete ein Sonnenuntergang vom Signal Hill zurück in Kapstadt einen wunderbaren Tag ab. Am folgenden Sonntag stand eine besondere sportliche Erfahrung an. Wir fuhren ins Stadion zu meinem ersten afrikanischen Fußballspiel. Dort waren wir auch so ziemlich die einzigen Weißen, denn Fußball ist in Südafrika traditionell der Sport der ärmeren, schwarzen Bevölkerung, während die Weißen eher Rugby oder Cricket bevorzugen. Daher war das Ticket wahrscheinlich auch für unsere Verhältnisse mit ca. 2,50 Euro spottbillig, obwohl es sich um recht gute Plätze gehandelt hat. Das Spiel selber war wohl eher mittelmäßig und das Niveau nicht besonders hoch. Zudem versprang der Ball ständig auf einem Rasen, der eher für Rugby geeignet gewesen wäre. Dennoch war die Stimmung prächtig und sehr verschieden im Vergleich zu europäischen Stadien. Natürlich fehlten auch die mittlerweile berüchtigten Vuvuzelas nicht, die auch nicht so laut sind, wie sich mancher Fußballprofi neulich meinte beschweren zu müssen. Unter den tanzenden und singenden Menschen war es ein stimmungsvolles Spiel und ein schöner Vorgeschmack auf die WM nächstes Jahr. Etwas seltsam jedoch waren die Sympathien der Leute verteilt. Obwohl es ein Heimspiel für Ajax Kapstadt war, war die überwiegende Mehrheit in den Farben der Kaizer Chiefs gekleidet und entsprechend eingestellt. Zwar ist diese Mannschaft aus Johannesburg die beliebteste und erfolgreichste des Landes, aber in Deutschland würde es sehr seltsam vorkommen, wenn im Westfalenstadion oder in Hamburg mehr Bayernfans als Heimfans anwesend wären. Zudem gab es noch eine kleine Gruppe in den Farben der Pirates, die ebenfalls aus Johannesburg kommen, mit den Kaiser Chiefs verfeindet sind und daher Ajax unterstützten. Zur Freude der meisten Zuschauer endete das Spiel auch 3:0 für die Gäste.
Demnächst steht für mich ein Besuch im Rugbystadion an.

Freitag, 2. Oktober 2009

Erste Eindrücke

Hallo zusammen,
hier schreibe ich Euch nun meine ersten Eindrücke und Erlebnisse vom Kap. Nach einem langen Flug bin ich wohlbehalten am Montag abend in Kapstadt angekommen. Dort wartete allerdings bereits die erste böse Überraschung auf mich. Mit deutscher Pünktlichkeit ist es hier nicht weit her und so hatte meine Gastmutter schlicht und einfach vergessen, dass sie mich vom Flughafen abholen wollte. Etwas verloren stand ich mit dem ganzen Gepäck zunächst am Ausgang. Glücklicherweise hatte ich ihre Handynummer dabei, so dass ich wenigstens die Adresse erfahren und per Taxi mich auf den Weg zu meiner künftigen Unterkunft machen konnte.

Mein Zimmer im Guesthouse ist relativ klein und spartanisch. Dafür sind die übrigen Räume und der Garten sehr schön, so dass ich mich wohl nur zum schlafen in meine Kammer zurückziehen werde. Das Haus liegt relativ weit oben auf einem Hügel. Von der Terasse aus hat man einen wirklich spektakulären Blick über die Stadt, tagsüber über das Zentrum bis zum Meer, und abends liegt eine hell erleuchtete und glitzernde Ebene einem zu Füßen. Bereits morgens steht die Sonne so, dass man dort sein Frühstück in aller Ruhe genießen kann. Zur anderen Seite erhebt sich der Tafelberg, auf den man ebenfalls blicken kann. Im Garten daneben befindet sich der Pool, in den ich allerdings noch nicht gesprungen bin.

Die Lage des Hauses ist ebenfalls hervorragend. Es steht auf halbem Wege in Richtung Gondelstation vom Tafelberg, aber dennoch nicht allzu weit von der Innenstadt entfernt, wo auch meine Kanzlei liegt. Auf dem Bild oben im Header liegt es knapp unterhalb der Mulde, rechts vom Tafelberg. Daher sind von dort auch die Strände, die auf der anderen Seite liegen, schnell zu erreichen.

Das Guesthouse ist ein beliebtes Ziel von Deutschen, die hier für einige Monate Praktika absolvieren oder arbeiten. Daher bin ich glücklicherweise sehr schnell mit einigen in Kontakt gekommen, auch wenn es von mir aus ruhig ein wenig internationaler zugehen könnte, vor allem um meine Englischkenntnisse zu verbessern. So bin ich allerdings bereits Dienstag in den Genuß gekommen, etwas von der Umgebung kennenzulernen. Mit vier anderen Jungs ging es mit dem Auto in die nah gelegenenen Weinregionen der Kapprovinz zur ausgedehnten Weinprobe. Südafrika ist ein klassisches Weinland. Im 17. Jahrhundert wanderten viele in Frankreich religiös verfolgte Hugenotten nach Südafrika aus bekamen Land nördlich des heutigen Kapstadt zugewiesen. Schon bald fanden sie heraus, dass sich der Boden sehr gut für den Weinanbau eignete und brachten daraufhin ihre Rebsorten und Fertigkeiten mit ins Land.
So konnten wir also Dienstag mehrere Weingüter besuchen und uns von dem Geschmack bei mehreren Proben überzeugen, wobei leider nur der Fahrer etwas zu kurz kam.

Am Mittwoch beschloss ich, mir einen ersten genaueren Eindruck vom Tafelberg zu verschaffen. Bei schönstem Wetter und angenehmen Temperaturen machte ich mich auf den Weg zum Table Mountain National Park. Wanderwege führen zum 1073 m hohen Gipfel und durch die langsam abfallende Ebene auf der meerabgewandten Seite. Bis kurz vor dem Ziel konnte man ein wunderschönes Panorama genießen. Leider kam danach ein starker Wind auf, der zur Folge hatte, das die Bergspitze in dichte Wolken gehüllt wurde. Dieser Nebel, den die Kapstädter das "Tischtuch" des Tafelbergs nennen, ist ein häufiges Phänomen hier und eine Folge der vom Atlantik kommenden Winde, die auf das plötzlich emporhebende Steinmassiv treffen. Von der Aussichtsplattform konnte man daher leider nicht viel sehen und da es auch ziemlich kalt war, begann ich bald mit dem Abstieg.

Freitag war mein erster Tag in der Kanzlei. Bissets Boehmke McBlain gehört zu den ältesten law firms in Kapstadt und ist bereits seit 150 Jahren ansäßig. Ihr Büro befindet sich im 11. Stockwerk eines Hochhauses, zentral gelegen in der City Bowl, der Innenstadt. Allerdings gibt es leider nur einen Arbeitsplatz für Referendare, so dass man sich bei Überbesetzung die Zeit aufteilt und so nicht jeden Tag arbeiten muss. Da gestern der für uns zuständige Anwalt für längere Zeit vor Gericht musste, konnte ich mit meinem Kollegen auch schon nachmittags die Kanzlei verlassen, um einen ersten Besuch beim Strand zu machen. Wir fanden auch einen sehr schönen Abschnitt und in der Sonne ist es bereits relativ warm, so kurz nach Frühlingsanfang. Der Atlantik dagegen ist noch sehr kalt und man kann es nur kurze Zeit und mit viel Bewegung in den starken Wellen aushalten.

Soviel erstmal von meinen ersten Tagen.
Am Wochenende stehen ein Ausflug die Küste entlang und ein Besuch im Fußballstadion an. Davon berichte ich dann beim nächsten Mal.

Sonntag, 27. September 2009

Abflug

Die Koffer werden sind schon fast gepackt! Die letzten Vorbereitungen werden getroffen! Mein Abenteuer Südafrika kann beginnen.
Morgen wird es zu nachtschlafender Zeit losgehen zum Düsseldorfer Flughafen. In Amsterdam heißt es umsteigen und dann liegt ein elfstündiger Flug vor mir, direkt über den gesamten afrikanischen Kontinent. Um neun Uhr abends werde ich dann am Kap der guten Hoffnung landen, wo ich die nächsten drei Monate verbringen darf.
Wer schonmal einen Blick auf mein Quartier werfen will: http://www.blencathra.co.za/